| |
Joseph Haydn, 1732 – 1809
Streichquartett d-Moll op. 76 Nr. 2 ("Quintenquartett")
Als der Wiener Verlag Artaria im Jahr 1799 Haydns Quartette op.76 herausbrachte, schrieb die Allgemeine musikalische Zeitung: „Die Quartette ... sind wieder ein neuer Beweis von der unversiegbaren Quelle der Laune und des Witzes ihres berühmten Verfassers, und seiner ganz werth.“
Tatsächlich enthalten die Streichquartette op.76, deren zweites in diesem Konzert erklingt, alle Errungenschaften Haydns auf diesem Gebiet. Bis ins hohe Alter wurde der Komponist für seine Originalität und seinen Experimentierdrang bewundert. Gern verfremdete er Bekanntes. Im "Quintenquartett" kombiniert er die strenge Technik des Kontrapunkts mit eigenwilligenTonfällen. |
| |
Sarah Nemtsov, * 1980
"Im Andenken" für Streichquartett (2007)
Die junge, vielfach preisgekrönte Berliner Komponistin bezieht sich in ihrer Musik nach eigener Aussage "fast durchgängig" auf Schubert, "wenn auch nicht immer offensichtlich." Der Gedanke beschäftigt sie, dass uns die Musik Schuberts heute als das Vertraute erscheint, obwohl sie aus einer entfernten Vergangenheit kommt und uns das Zeitgenössische, das Aktuelle, doch eigentlich viel näher sein müsste.
In ihrer Komposition "Im Andenken" verbindet Sarah Nemtsov behutsam das Tradierte mit dem Zeitgenössischen. Das Streichquartett c-Moll, mit dessen zweitem Satz sie sich im "Andenken" auseinandersetzt, komponierte Schubert in seinen Krisenjahren 1818-23. Es blieb, wie so vieles aus dieser Zeit, Fragment. Nach dem hochgelobten ersten Satz bricht das Andante nach 41 Takten ab - zuletzt hatte Schubert nur noch die 1. Violine notiert.
Sarah Nemtsov hat es gereizt, die anderen Stimmen dazu weiterzuführen, jedoch nicht als Stilkopie, sondern mit gewissen Irritationen. So schafft die Komponistin eine kunstvolle Brücke von dem romantischen Fragment zu ihrer eigenen, sowohl kraftvollen wie lyrischen Tonsprache, die den Mittelteil der Komposition ausmacht. Doch selbst hier ist Schubert in vieler Hinsicht, jedoch nicht ohne weiteres wahrnehmbar, gegenwärtig: So verweist die Komponistin z. B. untergründig auf den formalen Aufbau des zweiten Satzes aus einem anderen Schubertquartett, dem Streichquartett G-Dur D 887. Zum Schluss dann wieder Schubert beinahe im Original: Der Beginn des Fragments erklingt gedämpft und extrem langsam gespielt – der Zeit entrückt, von Ferne.
" ... eine mit zeitgenössischen Mitteln erzeugte berührende Seelenmusik" urteilte die Hannoversche Allgemeine Zeitung nach der Uraufführung im Juni dieses Jahres.
Weitere Informationen unter www.sarah-nemtsov.de |
|
 |
Franz Schubert, 1797 – 1828
Streichquintett C-Dur (D 956)
Schuberts Streichquintett C-Dur entstand 1828 in Wien, zwei Monate vor dem frühen Tod des erst 31-jährigen Komponisten. "Vor dem C-Dur Quintett verneigen sich alle Menschen, denen Musik etwas bedeutet", schrieb einst der Musikkritiker Joachim Kaiser. In dem vielschichtigen Werk stehen idyllische, träumerische Momente neben aufwühlenden, bedrohlichen Klängen, die vom Kampf mit dunklen Mächten zeugen.
Indem Schubert, abweichend von den klassischen Gepflogenheiten, nicht die Viola, sondern das Cello doppelt besetzt, kann er das erste Cello zum Hauptträger des melodischen Geschehens erheben - es singt gleichsam, wie der Tenor im Kunstlied. |